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Die Letzte Generation: Von Klimaklebern, Terrorismusvorwürfen und Whataboutism …

Klimakleber
©ArtMart / stock.adobe.com

Sie spalten die Nation wie kaum eine andere Bewegung. Sogar Fridays for Future war (zumindest gefühlt) mehr Menschen egal als sie: Die „Klimakleber“. Sie verdanken ihren Namen dem Umstand, dass viele von ihnen Aufmerksamkeit dadurch erregen, dass sie sich auf (oft vielbefahrenen und weitestgehend zentralen) Straßen festkleben.
Ihr Ziel: Ein Wachrütteln der Gesellschaft auf unterschiedlichen Ebenen. Klar: Wer sich auf der Straße festklebt, blockiert im ersten Schritt den Verkehr und sorgt bei den betroffenen Autofahrern für jede Menge Unmut. Die Botschaft, die sich hinter den Protesten verbirgt, geht jedoch noch viel tiefer.
Den meisten Klimaaktivisten geht es sicherlich nicht darum, zu bewirken, dass möglichst viele Menschen zu spät zur Arbeit kommen. Stattdessen möchten sie, dass generell mit Hinblick auf Universalverkehr, Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein Umdenken stattfindet. Nicht nur von Seiten der „Normalbürger“, sondern auch innerhalb der Politik. Fest steht: Unabhängig davon, wie einzelne Menschen der Bewegung gegenüberstehen, haben die (größtenteils jungen) Personen schon eines geschafft: Sie erregen Aufmerksamkeit.

Weshalb wird Klimaklebern Terrorismus vorgeworfen?

Mittlerweile gibt es viele Menschen, die sich zu Wort melden und die Taten und Pläne der „Letzten Generation“ als „zu extrem“ bezeichnen. Für etliche wurde beispielsweise eine Grenze überschritten, als sich die Aktivisten nicht „nur“ auf der Straße festklebten, sondern auch dazu übergingen, beispielsweise Kunstwerke im Museum zu beschmieren.

Was einerseits schockiert, nutzen die Aktivisten dazu, Aufmerksamkeit für den Klimaschutz zu erregen. Genau das funktioniert. Die Annahme, dass Menschen, die derart „extrem“ vorgehen mehr gesehen werden als Menschen, die Plakate in Fußgängerzonen hochhalten, dürfte klar sein.
Das Problem: Offenbar braucht es derartige Aktionen, um Emotionen bei anderen auszulösen. Und genau hieraus resultiert schlussendlich auch der Vorwurf des Terrorismus. Auf der einen Seite stehen Menschen, die sich mit so gut wie allen Mitteln Gehör verschaffen wollen. Auf der anderen Seite positionieren sich die Personen, die sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen und alles als „überzogen“ betrachten.
Leider hat es mittlerweile den Anschein, als seien die Fronten mehr und mehr verhärtet. Und auch die Tatsache, dass mittlerweile Vertreter der „Letzten Generation“ und Politiker unterschiedlicher Parteien miteinander gesprochen haben (und angegeben haben, dies in Zukunft sicherlich auch noch weiter zu tun), sorgt nicht dafür, dass beide sich annähern. Zumindest jetzt noch nicht.
Der Vorwurf des Terrorismus rührt sicherlich daher, dass die sogenannten „Klimakleber“ mit ihren Protesten weiter gehen, als es viele Aktionsbündnisse vor ihnen getan haben.

Verbessern „extreme Aktionen“ die Kommunikation?

Viele vertreten mittlerweile die Ansicht, dass es sich genau hierbei um eines der größten Probleme handelt, mit denen sich Klimaaktivisten und deren Sympathisanten und Gegner auseinandersetzen müssen. Immer mehr stellen sich die Frage, ob es förderlich ist, sich an Straßen festzukleben und Kunstwerke zu beschmieren, wenn es darum geht, zu erreichen, dass einer dem anderen zuhört.
Der Bereich der Emotionen sollte in diesem Zusammenhang auf keinen Fall unterschätzt werden. Oft bildet sich eine Spirale aus Wut und Unverständnis, die – wahrscheinlich auf beiden Seiten – dazu führt, dass die Bereitschaft, dem jeweils anderen zuzuhören, sinkt. Besonders deutlich wird dies mittlerweile anhand der Tatsache, dass vielen Mitgliedern der Letzten Generation bereits mit Gewalt gedroht wurde. Nicht immer blieb es „nur“ bei besagten Drohungen.
Die gute Nachricht ist jedoch, dass es auch zahlreiche Menschen gibt, die sich grundsätzlich mit den Zielen, die die Klimaaktivisten verfolgen, identifizieren können. Wer sich ein wenig genauer mit dem Klimawandel und dessen möglichen Folgen auseinandersetzt, erkennt sicherlich schnell, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Der grundsätzliche Streit zwischen Klimaaktivisten und Nicht-Klimaaktivisten basiert dementsprechend oft nicht auf dem „Ob“, sondern vielmehr auf dem „Wie“.

Klimaaktivisten und der Lebensstil des 21. Jahrhunderts …

Hierbei handelt es sich um einen der Hauptkritikpunkte, mit denen Klimaaktivisten immer wieder aufs Neue konfrontiert werden. Für viele ihrer Kritiker gilt das Motto: „Entweder ganz oder gar nicht!“. Oder anders: Wer sich für das Klima einsetzt und sogar so weit geht, sich an Straßen anzukleben oder Kunstwerke zu beschädigen, muss auch im Rest des Alltags nachhaltig und umweltfreundlich leben.
Diejenigen, die die entsprechenden Diskussionen, die unter anderem auch öffentlichkeitswirksam im TV geführt werden, verfolgen, erleben oft Whataboutism in Reinform. Sätze wie „Wer sich für das Klima einsetzt, darf auch nicht mit dem Handy telefonieren oder in Urlaub fahren!“ sind mittlerweile zum Standard geworden … Und lösen nicht selten Grundsatzdiskussionen aus.
Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist: „Ist es legitim, sich auf der einen Seite für die Umwelt einzusetzen und auf der anderen Seite nicht perfekt zu sein?“. Die passenden Antworten kann sicherlich jeder nur für sich selbst liefern.

Wer steckt eigentlich hinter der Letzten Generation?

Viele, noch nicht genauer mit der Thematik auseinandergesetzt haben und die Bezeichnung „Letzte Generation“ hören, denken sicherlich an vergleichsweise junge Menschen. Und tatsächlich: Viele Mitglieder des Aktionsbündnisses sind Schüler/ Schülerinnen und Studenten/ Studentinnen. Es wäre jedoch definitiv zu kurz gedacht, zu behaupten, dass die Bewegung ausschließlich von jungen Personen und deren Erwartungen an „die da oben“ geprägt sei.
Ein Blick auf die Straßen zeigt, dass sich auch immer mehr Erwachsene der Letzten Generation anschließen – mal mehr, mal weniger aktiv.
Somit hat es das Aktionsbündnis – ähnlich wie Fridays for Future – geschafft, unterschiedliche Altersgruppen von sich zu überzeugen. Auffällig ist jedoch auch, dass sich immer wieder zeigt, dass nicht alle, die der Letzten Generation angehören, mit deren Vorgehensweise einverstanden sind. Dementsprechend bleibt es spannend zu beobachten, ob sich in Zukunft mehrere kleine Gruppen absplittern werden und wie sich das Verhältnis zwischen der Letzten Generation und Fridays for Future entwickelt.
Fest steht schon jetzt, dass sich die Mitglieder der Letzten Generation nur schwer in eine Schublade stecken lassen. Genau hierfür ist die Bandbreite an Menschen unterschiedlicher Hintergründe, Ziele und Herangehensweisen schlicht zu groß.

Was will die Letzte Generation eigentlich?

Diese Frage dürften sich viele stellen. Und genau hierbei handelt es sich um ein besonderes Phänomen. Die Tatsache, dass die Aktionen des Bündnisses derart viel Aufmerksamkeit erregen, bewirkt oft, dass diese den eigentlichen Sinn und die Ziele der Letzten Generation überdecken.

Daher ist die Frage „Was will die Letzte Generation eigentlich?“ durchaus legitim. Einige der Hauptziele der Gruppe werden in den folgenden Abschnitten zusammengefasst:

  • Ein Tempolimit von 100 km/h, durch das unter anderem der CO₂-Ausstoß reduziert werden soll.
  • Ein dauerhaftes 9 Euro Ticket, durch das unter anderem auch die mittlerweile höheren Lebenshaltungskosten aufgefangen werden sollen.
  • Ein Gesellschaftsrat, dessen Aufgabe es sein soll, Maßnahmen zu erarbeiten, die dabei helfen, die Nutzung fossiler Rohstoffe abzubauen (bis 2030). Besagter Gesellschaftsrat soll aus allen Bevölkerungsgruppen Deutschlands bestehen.

Wer mehr über die Ziele der Letzten Generation erfahren möchte, findet Infos auf der Webseite des Bündnisses.

Jenny

Verfasst von Jenny

Redaktionsmitglied Jenny:
Jenny ist Mutter, Hundezüchterin und begeisterte Camperin. Früher hat sie vor allem gezeltet, doch heute, mit Ihren Kindern, ist sie meist im Wohnmobil unterwegs und hat für die Kinder ein Zelt dabei.

Mit vielen Jahren Erfahrung lektoriert und korrigiert Jenny zugelieferte Texte und berichtet zudem über ihre persönlichen Vorlieben ebenso gerne, wie über Neuerscheinungen und besonders beliebte Produkte im Bereich Camping und Outdoor.

Hinweis: in dieser Box siehst du, wer den Text korrigiert, lektoriert und für die Veröffentlichung aufbereitet hat. Es muss sich nicht zwingend um den Autor handeln.

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