Barcamp

Was ist eigentlich ... ein Barcamp?

Ein Barcamp ist ein partizipatives Veranstaltungsformat, das in den letzten Jahren auch Jugendliche immer stärker für sich entdeckt haben. Man könnte sagen: Ein Barcamp ist eine Konferenz, ohne eine Konferenz zu sein. Es wird deshalb auch Unkonferenz oder Ad-hoc-Nicht-Konferenz genannt.

Das Format entstand im Silicon Valley und zeichnet sich dadurch aus, dass die Teilnehmenden gleichzeitig auch die „Teilgebenden“ sind: Das heißt nicht nur, dass jeder gebeten wird, sein Wissen mit den anderen zu teilen. Sondern auch, dass vor der Tagung nicht viel mehr festgelegt wird als das Oberthema und der zeitliche Rahmen der Veranstaltung. Über eine Plattform wie barcamptools.eu können aber auch im Vorfeld schon Diskussionsthemen eingebracht und vorgeschlagen werden.

Bei Barcamps treffen sich alle Teilnehmenden zu Beginn in einem großen Plenum und stellen sich und ihre Session-Ideen vor. Hier werden Ablauf und Inhalte der weiteren Veranstaltung festgelegt. Was in den Sessions passiert, liegt ganz an den Teilnehmenden: Diskussionen, Workshops, Präsentationen, Kreativitätsübungen – alles ist möglich.

Mit genau diesen Sessions erwecken die Teilnehmenden das Barcamp zum Leben. Dabei gibt es nicht viele Regeln – eine jedoch lautet: Wer zum ersten Mal an einem Barcamp teilnimmt, muss auch eine Session anbieten. Eine zweite Regel besagt: „Du sprichst über das Barcamp!“ – genauso gut könnte es auch „bloggen“, „tweeten“ oder „snappen“ heißen. Denn: Die Themen und Inhalte der Sessions sollen aktiv nach außen getragen werden, damit auch diejenigen außerhalb des Session-Raums, nachvollziehen können, was diskutiert wird. Zur Protokollführung in den Sessions dienen Etherpads. Damit erzielt ein BarCamp im Idealfall immer auch eine Wirkung über die eigentliche Veranstaltung hinaus.

Infrastruktur

Wichtig: Zum Gelingen eines Barcamps wird eine gute Infrastruktur benötigt. Neben Moderationsmaterialien und ausreichend vielen Session-Räumen, gehört ein stabiles W-LAN zur Grundausstattung eines Barcamps dazu. Wenn möglich können die Räume natürlich auch mit Beamern ausgestattet werden. Generell gilt jedoch die Devise: BYOD – Bring Your Own Device. Die Teilnehmenden sollten also im Vorhinein erfahren, dass sie mindestens ein eigenes Smartphone, wenn möglich aber auch ein Tablet oder Laptop mitbringen sollten.

Für wen ist ein Barcamp?

Wer kann ein Barcamp organisieren? Jede*r kann ein Barcamp organisieren. Mit dem „Methodenset Barcamp-Schulung“ und dem „Leitfaden JugendBarCamp“ sind exzellente Hilfsmaterialien frei im Netz verfügbar.

Wer kann an einem Barcamp teilnehmen? Jede*r kann an einem Barcamp teilnehmen. Als Veranstalter*in sollten Sie versuchen, die Kosten der Veranstaltung für Räumlichkeiten und Verpflegung möglichst durch die Gewinnung von Sponsoren und Fördergelder zu decken. Die Teilnehmendenzahl wird eigentlich nur durch den zur Verfügung stehenden Platz begrenzt.

Warum sollte man an einem Barcamp teilnehmen? Ein Barcamp ist eine gute Möglichkeit, in kreativer Atmosphäre auf neue Ideen zu kommen. Wissen und Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und nicht zuletzt viel Spaß zu haben. All das macht das Format so attraktiv als Auftakt für einen längeren Beteiligungsprozess: Bei einem Barcamp können Jugendliche die Themen einbringen und diskutieren, die sie wirklich interessieren. Aus diesen können dann Forderungen und entsprechende Addressat*innen erarbeitet werden.

Entwicklung

Abgesehen von Technologie-fokussierten Barcamps haben sich zahlreiche Barcamps im Kontext von politischer Bildung und Jugendkultur etabliert, sowohl von und für Multiplikator*innen (wie z. B. das EduCamp, mit dem jugend.beteiligen.jetzt im Jahr 2017 kooperiert hat) als auch von und für Jugendliche:

  • Beim GamesCamp tauschen sich Computerspieler*innen jährlich über Kultur und Ethik von Games aus.
  • Das JugendPolitCamp ist ein Urgestein unter den JugendBarcamps, bei dem Jugendliche von Sexismus über Finanzierungsprobleme kommunaler Jugendarbeit, Datenschutz und ÖPNV alle Themen einbringen, die ihnen unter den Nägeln brennen.
  • Die Jugendtheaterwerkstatt in Berlin-Spandau hat das Format unter dem Namen „Die Spielplan-Verschwörung“ benutzt, um Jugendliche in die Jahresplanung zu involvieren.
  • Und die Session-Länge von 45 Minuten bietet offensichtliche Parallelen, um auch im Schul-Kontext Anwendung zu finden.