Curriculum

Sie planen Fortbildungsangebote zu digitaler Jugendbeteiligung? Hier erhalten Sie nähere Informationen rund um das Curriculum „Praxis digitale Jugendbeteiligung“ von jugend.beteiligen.jetzt und das Lehrmaterial unter Creative Commons-Lizenz (CC BY-SA 4.0) zum kostenlosen Download.

Fortbildungsziele

Mit der Qualifizierung erhalten Schulungsteilnehmende einen grundlegenden Überblick zu den Chancen und Methoden aktivierender Jugendbeteiligungsarbeit mithilfe digitaler Medien, möglichen Formaten und rechtlichen wie politischen Rahmenbedingungen. In diesem Fortbildungskozept gehen wir folgenden Fragen nach:

  • Wo liegen Chancen und Stolpersteine von digitalen Partizipationsprozessen?
  • Wie lässt sich Jugendbeteiligung konkret durch digitale Werkzeuge gestalten?
  • Welches sind dafür wirksame Methoden und technische Hilfsmittel?

Zielgruppe

Es handelt sich um eine medienfokussierte modulare Qualifizierung zum Thema digitale Jugendbeteiligung. Angesprochen werden in erster Linie Prozessmoderator*innen, die bereits Qualifizierungen im Bereich Jugendbeteiligung durchlaufen haben bzw. praxiserfahren sind. Darüber hinaus sind die Inhalte bestimmter Module sinnvoll, um Akteur*innen in kommunalen Jugendbeteiligungsverfahren, wie haupt- oder ehrenamtlich Tätige, pädagogische Fachkräfte und politische Entscheidungsträger*innen, weiterzubilden.

1. Kennenlernen der Seminarteilnehmenden

Das Curriculum sieht keine Kennenlernphase für die Seminar-Teilnehmer*innen (TN) vor. Im Sinne der Gruppenfindung ist es sinnvoll, mindestens eine Video-Konferenz, oder sogar ein mehrstündiges Präsenz-Treffen zusätzlich zu den eigentlichen Curriculums-Inhalten einzuplanen. Dies kann mit der Erwartungsabfrage an die Fortbildungsreihe, wie sie in Modul 1 beschrieben ist, kombiniert werden. Ferner ist es wichtig, wenn nicht bereits in der Anmeldephase geschehen, spätestens hier die Vorkenntnisse der TN in Bezug auf digitale Tools in Erfahrung zu bringen. Bedenken Sie, dass das Curriculum zur Qualifizierung von bereits ausgebildeten Prozessmoderator*innen gedacht ist und keine Einführung in Beteiligungsgrundlagen darstellt.

2. Online-Kommunikation zwischen Organisator*innen und Teilnehmenden

In der Pilotfortbildung „Praxis Digitale Jugendbeteiligung“ wurde das System „Moodle“ genutzt, um den TN Materialien, Texte und Links zur Verfügung zu stellen sowie ein geschlossenes Forum zur Online-Kommunikation außerhalb der Seminar-Blöcke zu bieten. Die vorgelagerte Arbeitseinheit sollte ebenfalls die Nutzung von Moodle (oder einer anderen Plattform, die Sie benutzen) erklären und das Ausprobieren der Plattform ermöglichen.

Während der Präsenzphasen diente ein Etherpad über den gesamten Fortbildungszeitraum hinaus als Link-Sammlung sowie als Fragen-Parkplatz und Ort für weitergehende Anregungen. Dieses Pad benötigt ebenfalls eine kurze Einführung, verbunden mit einer kleinen Ausprobierphase. Komplizierte Links, wie etwa zu prezi-Präsentationen oder relevanten Veröffentlichungen können dort zentral für alle sichtbar ad hoc gesammelt werden.

3. Video-Konferenzen

Im Rahmen der Pilotfortbildung haben sich Video-Schalten mit Video-Konferenzsystemen als sehr nützlich erwiesen, um externe Expertise etwa für eine Präsentation oder, bei entsprechender Mikrofonierung im Raum auch für eine Gruppendiskussion, ins Seminar zu holen. Dafür gibt es eine große Zahl von kostenlosen Diensten, die direkt im Browser-Fenster ohne zusätzliche Installationen einen Video-Chat ermöglichen, wie z.B. jitsi.org oder appear.in. Natürlich ist dies auch über die zu Microsoft gehörende Software „Skype“ oder „FaceTime“ auf MacOS möglich. In der Pilotfortbildung kam die kostenpflichtige Anwendung „Adobe Connect“ zum Einsatz.

4. Feedback

Die Pilotfortbildung wurde intensiv mit Feedback-Bögen ausgewertet, insbesondere um auch Rückschlüsse für die Weiterentwicklung des Curriculums ziehen zu können. Die Möglichkeiten für (digitales) Feedback, etwa zum Ende eines Moduls oder eines mehrtägigen Seminarblocks, sind im Curriculum nicht expliziert. Die Möglichkeiten des digitalen Feedbacks sind vielfältig, abhängig davon welcher Art ihre Fragestellungen sind und ob sie es vor Ort oder anonym erheben möchten. Einen Einstieg in Umfragetools bietet z. B. unser Überblicksartikel. Denkbar sind natürlich auch alle bekannten analogen Methoden des Seminar-Feedbacks.

Materialien:

  • Felix Stalder: „Kultur der Digitalität“ (2016), Suhrkamp
  • Jugendamt Pankow: „Partizipationsmöglichkeiten junger Menschen im Bezirk Pankow“ (2015), online verfügbar auf der Website des Jugendamts Pankow
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Qualitätsstandards für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen“, 3. Aufl. (2015), online verfügbar auf der Website des Ministeriums (PDF)
  • Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg: „Arbeitsmaterialien. Der sozialräumliche Blick in der offenen Kinder- und Jugendarbeit“ (2008), hier besonders die „Verfahrensschritte Lebensweltanalyse“ (S. 14ff), online verfügbar auf der Website des Instituts (PDF)

 

Die Haltung zur Nutzung von digitalen Medien und Instrumenten hat sich im Pilot-Test als ein Thema erwiesen, welches sich durch die gesamte Fortbildung zieht. Insofern kann diesem Thema, beispielsweise unter Aussparung des Themas der Medienwirkungstheorien höheres Gewicht gegeben werden. Denkbar ist in einem weiteren Input oder einer weiteren Übung auf die Bedeutung von Digitalisierung für Kultur und Gesellschaft einzugehen.

Grundsätzlich ist es in diesem Modul auch denkbar, Jugendliche als Expert*innen für die Zielgruppenansprache in die Fortbildung einzubinden, ob als Input-Geber*in, in einer Interview-Situation oder in einem Mentor*innen-Modell. 

Materialien zur Ergänzung:

  • 17. Shell-Jugendstudie (2015): Internet & Social Media, online verfügbar auf der Website von Shell (PDF)

Im Unterschied zum Curriculum fokussierte sich die Pilotfortbildung bei der Durchführung des Moduls auf das Ausprobieren zweier Tools für digitale Jugendbeteiligung, nämlich die Beteiligungsplattform OPIN und das ePartool. Die Anwendungen wurden in je 90minütigen Einheiten von Referent*innen von OPIN bzw. jugend.beteiligen.jetzt vor Ort präsentiert und von den Teilnehmenden verwendet.

Anschließend wurde wie im Modul vorgesehen ein Mini-Barcamp durchgeführt. Eine Kombination von toolbezogener Praxisphase und anschließendem Barcamp wurde von den Teilnehmenden sehr positiv bewertet und hat sich bewährt. Für einen sinnvollen Einstieg in die Projektentwicklung im Rahmen des Mini-Barcamps sollten jedoch eher 3-4 Stunden anstelle der im Curriculum veranschlagten 2 Stunden eingeplant werden.

Die in Modul 4 vorgesehenen Einheiten zu Creative Commons (CC) und Open Educational Resources (OER) können bereits früher aufgegriffen werden, wann immer CC- oder OER-Materialien zum Einsatz kommen – jedoch sollte dafür dann auch eine Stunde Zeit eingeplant werden. Einer kurzen Präsentation, welche Ideen sich hinter CC und OER verbergen, sollte eine kurze Praxis-Phase folgen, in dem die TN bspw. ein eigenes Werk lizenzieren.

Material zur Ergänzung:

Grundsätzlich hat sich in der Pilotfortbildung herausgestellt, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen von digitalen Beteiligungsprozessen (Modul 5) und das Thema Datenschutz (Modul 6) so eng verknüpft sind, dass es Sinn ergibt, sie von vornherein zusammen zu denken.

Die Teilnehmenden der Pilotfortbildung schätzten in diesen Modulen frontale Vermittlungsmethoden, die erst im Anschluss in spielerischen Elementen aufgegriffen und angewendet werden sollten.

Im Rahmen der Pilotfortbildung lieferten gleich zwei externe Expert*innen Inputs zu den Themen „Datenschutz & Co. In der Projektarbeit mit Jugendlichen“ und „Datenschutz aus Perspektive einer Landesbehörde“. Es lohnt sich je nach regionalem Kontext Expert*innen zu kontaktieren und ggf. einzubinden.

Das in Modul 5 vorgesehen Planspiel „Mein Profil“ wurde aufgrund des engen Fokus des Spiels auf soziale Netzwerke ausgelassen.

Für die Module 5 und 6 sollte jedoch mehr Zeit eingeplant werden, als im Curriculum vorgesehen. Eine Dauer von 2 x 6 Stunden ist wünschenswert.

Materialien zur Ergänzung:

Eine detaillierte Anleitung zum Einsatz von Kahoot! im Seminar- bzw. Schulkontext liefert das österreichische Schulportal:

Im Rahmen der Pilotfortbildung hat es sich als günstig erwiesen, von Modul 1 an wiederholt auf die Entwicklung einer eigenen Projektskizze in Modul 7 hinzuweisen.

Im Rahmen des Moduls wurde abweichend vom Ablaufplan im Curriculum eine zweitstündige Projektemesse durchgeführt, bei denen sich Beteiligungsprojekte vor Ort sowie per Video-Schalte vorstellten, im konkreten Fall waren dies die Projekte „Plan Nord Ost“, „Laut! Nürnberg“ und der „Grün-Check Reinickendorf“ mit #stadtsache. Dies diente der weiteren Inspiration sowie der Klärung ganz praktischer Fragen, die sich im Verlauf der Fortbildung und Laufe der individuellen Projektplanungen ergeben hatten.

Anstelle des im Modul vorgesehenen Placemat-Verfahrens wendeten die Dozierenden zur Projektplanung die Methode „Ideensprint“ an.

Material zur Ergänzung:

Umfang

8 Module mit unterschiedlicher Dauer (von 3 bis 7 Stunden).

Verwenden Sie die Module in Ihrem Qualifizierungsangebot!

Die Kurzübersicht gibt Ihnen einen Überblick über die Inhalte der einzelnen Module der Qualifizierung „Praxis digitale Jugendbeteiligung“. Die Module sind so konzipiert, dass sie nicht zwingend chronologisch durchgeführt werden müssen.

Die vier Autor*innen und das Gemeinschaftsprojekt jugend.beteiligen.jetzt möchten das vorliegende Curriculum als Einladung zum Ausprobieren und zur Weiterentwicklung verstanden wissen (Eine Version als Open Educational Resources (OER) ist in Vorbereitung!). Schon jetzt erlaubt Ihnen die Lizenz CC-BY-SA 4.0  die Verwendung und modifizierte Wiederveröffentlichung, wenn Sie beim Einsatz in Ihren Workshops und Seminaren Methoden ergänzen oder abändern, Inhalte hinzufügen oder die Schwerpunkte verschieben möchten. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn Sie das Material verwenden und Ihre Erfahrungen mit der Fachöffentlichkeit teilen. Gern können Sie sich mit allen Fragen und Anregungen hierzu mit uns in Verbindung setzen.