Datenschutzfreundliche Alternativen zu Facebook & Co.

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Eine Sache ist klar: Ganz ohne Datenweitergabe sind öffentlicher Austausch und private Kommunikation nicht machbar. Aber es gibt Möglichkeiten, zumindest die Datenpreisgabe ein wenig einzudämmen.

Nicht erst seit den beiden jüngsten Datenskandalen rund um Facebook (Stichwort „Cambridge Analytica“, sowie Sammlung von SMS- und Anrufdaten) überlegen sich Viele, was eigentlich mit den eigenen Fotos, Nachrichten und „Gefällt mir“-Bewertungen passiert, nachdem sie einmal ins Netz gelangt sind. Eine Kontrolle darüber, wer auf Seiten der Dienstebetreiber private Nachrichten mitliest, ist aus Nutzersicht nicht möglich (siehe z. B. „Microsoft liest heimlich Skype-Chats mit”). Ob Daten je wieder gelöscht werden können, scheint unsicher („Dropbox gesteht jahrelange Speicherung gelöschter Dateien“, „Facebook does not erase user-deleted content“).

Oft ist auch die Abgrenzung zwischen Komfortfunktionen und Datenausspähung nicht so einfach vorzunehmen. Wer will schon alle Freunde einzeln mit Telefonnummer, Profilbild, E-Mail-Adresse und Messenger-ID ins Smartphone eintippen, wenn die Übertragung auch automatisiert vonstatten gehen kann?

Die dezentrale Gemeinschaft: Eine „Föderation“ im sozialen Netzwerk

Seit mehreren Jahren versuchen verschiedene Entwickler*innen, eine solide Basis für soziale Netzwerke zu erfinden, die Werkzeuge zum Teilen von Inhalten mit dem Bedürfnis für Privatheit in Einklang bringen. Das soll vor allem dadurch gelingen, dass man die Hoheit über die eigenen Daten am besten gar nicht hergibt. Stattdessen könnte ein eigener Server aufgesetzt werden, der wiederum das eigene soziale Netzwerk beherbergt. Dabei gibt es natürlich die Auswahl zwischen „selbst hosten oder mitbenutzen“.

Dieser Lösungsansatz alleine würde natürlich zu kurz greifen: Wenn jede*r nur den eigenen Server bedient, wie wäre dann ein Austausch von Bildern und Nachrichten möglich? Die Antwort ist, dass sich die Server über eine sogenannte „Föderation“ verbinden lassen. Als Nutzer*in muss ich mich dabei nur insoweit umgewöhnen, dass ich Freund*innen nicht nur über den Namen, sondern mit einer Kennung, ähnlich einer E-Mail-Adresse, finde. Das Format wirkt vertraut und ist auch für Neulinge eingängig: name@server – und schon ist man in Kontakt (vorausgesetzt man wurde nicht geblockt).

Dieser dezentrale Ansatz findet immer mehr Eingang in die verschiedensten Open-Source-Plattformen und löst zugleich ein weiteres Problem: Bei Diensten wie Facebook, Google+, Whatsapp und Anderen ist man mehr oder weniger an die spezifische Herstellersoftware gebunden. Als Nutzer*in gibt es kaum Möglichkeiten, sich die Funktionen und das Aussehen selbst zusammenzustellen oder gar auf alternative Produkte auszuweichen. Nach einem Wechsel der Plattform sind bei den marktbeherrschenden Diensten auch alle dortigen Kontakte verloren.

Bereits in den Anfangstagen des Internets wurden die Grundlagen für eine dezentrale Vernetzung und Freiheit bezüglich der konkret eingesetzten Software gelegt: Jede*r kann für sich selbst entscheiden, welches E-Mail-Programm man nutzen möchte, mit welchem Webbrowser man sich auf Websites bewegt oder über welche Anwendung man an den Chats im IRC teilnimmt. Abgeschlossene Plattformen mit festem „App-Ökosystem“ sind daher eher eine Entwicklung aus kommerziellen Interessen heraus.

Open Source to the rescue! Friendica, diaspora* und Hubzilla

Mittlerweile gibt es mehrere freie Entwicklungen, die die Nachfolge von Facebook & Co. antreten wollen. Seit 2010 wird das Projekt „diaspora*“ vorangetrieben, für das sich aktuell ungefähr 650.000 Nutzer*innen eingeschrieben haben. Die verteilten Server, „Pods“, laufen auf der Computersprache Ruby. Da dies auf günstigen Webhostings eher nicht verfügbar ist, kann man sich alternativ „Friendica“ und „Hubzilla“ ansehen. Diaspora* verfügt derzeit als einziges der genannten Projekte auch über eine deutschsprachige (Erklär-)Website.

Die Vorteile der freien Wahl der Plattform, die aufgrund der Föderation auch mit den anderen Plattformen in Austausch treten kann, sind zugleich gelegentlich auch deren Nachteil: Jedes Softwareprojekt hat seine Stärken und Schwächen. Während möglicherweise bei einem der Projekte die Erweiterbarkeit jederzeit durch neue Plugins im Vordergrund steht, verlegt sich das andere vielleicht auf besondere Freiheiten für nomadische Profile. Die „eierlegende Wollmilchsau” bekommt man (derzeit) leider noch nicht.

Auch nicht ganz einheitlich ist die Benennung von eigentlich den selben Dingen: Während die verteilten Server bei diaspora* als „Pods“ bezeichnet werden, nennt sie die freie Twitter-Alternative aus Jena, „Mastodon“, ganz technisch einfach „Instanzen“.

Wem der konkrete Einstieg in eigene Server und föderierte Plattformen noch etwas zu kompliziert erscheint, kann sich auch bei nicht-gewinnorientierten, genossenschaftlich organisierten Social-Media-Plattformen registrieren. Eine davon ist die in Berlin angesiedelte Community von „Wechange.de“. Hier liegt der Fokus jedoch deutlich auf der Vernetzung von thematisch aufgestellten Gruppen. Immerhin tummeln sich mittlerweile über 17.000 engagierte Personen auf dieser Plattform.

Dateien austauschen, Projekte managen: Nextcloud / Owncloud

Auf ein föderiertes Konzept setzen auch die populären „Clouds zum Eigenbau“, Nextcloud und sein Ahn Owncloud. Beide stellen in der fast überall zu betreibenden Grundausstattung einen praktischen Ersatz für Dateiaustausch-Dienste wie Dropbox oder Google Drive dar und sind mit allen Arten von Betriebssystemen nutzbar. Sie können durch eigene oder zentrale Plugins erweitert werden, so dass auch ein selbst verwalteter Terminfinder (wie Doodle), Videotelefonate (Skype, Hangouts, Facetime) oder Projektmanagement-Werkzeuge zur Verfügung stehen.

Der Einstieg in diese neue Welt der eigenen Social-Media-Föderation ist nicht ganz leicht. Eine gewisse Lernkurve muss man dabei in Kauf nehmen. Aber es lohnt sich!

CC BY 3.0 Tim Schrock